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Achtsam Reden!


 

Willkommen zurück bei den Achtsamkeitsexperimenten!

Schön, dass Du dabei bist!

 

 

Bei den Achtsamkeitsexperimenten geht es um kurze und knackige Übungen, die Dich keine weitere Zeit kosten und die Spaß machen! 

 

Es geht darum, dass Du wieder präsenter in Deinem Leben wirst und Dir selbst mit nur kleinen Übungen Aufmerksamkeit schenkst.

 

Du kannst jeder Zeit einsteigen und Du brauchst keine Extra-Zeit einplanen.

 

Achtsam zu sein wird am Besten im Alltag geübt, also da, wo auch unser Leben stattfindet.

 

Es ist ganz leicht mit Deiner Achtsamkeit zu experimentieren.

 

Finde es heraus und mach mit!

 

 


Achtsamkeitsexperiment Nr. 16

Achtsames Reden


Wie schnell etwas gesagt ist

 

Kennst Du das, dass Du etwas sagst und selber erst später realisierst, was Du da gerade eigentlich geäußert hast? Situationen, in denen Du schneller redest, als Du denken kannst?
Oder wenn Du im Eifer des Gefechts jemanden verletzt, obwohl Du das eigentlich gar nicht so gemeint hattest?

 

Ich behaupte das kennt jeder.

Dem einen mag es öfter passieren und dem anderen seltener und trotzdem ist es total menschlich, auch mal was doofes, unpassendes oder sogar etwas Verletzendes zu sagen.

 

 

Dahinter kann einiges stehen.

Egal was, die liebe Achtsamkeit kann Dir eine gute Freundin sein...

Vielredner und Wenigredner

 

Einer redet mehr, der andere weniger.

So sind wir eben.


Den Vielrednern passiert es vermutlich häufiger, dass sie unachtsam mit ihren Worten sind. Das kommt daher, dass beim viel-reden nicht viel Zeit bleibt um zu denken.

 

Vielredner sind Vielredner, weil sie es eben gewohnt sind, viel von sich zu geben. Sie fühlen sich sicher und wohl dabei mit Menschen zu kommunizieren.

 

Und immer da wo die liebe Gewohnheit einkehrt, ist es nicht verkehrt, Achtsamkeit walten zu lassen – sei es nun eine kurze Bestandsaufnahme, ähnlich einem Großputz oder die regelmäßige Reflexion des eigenen Verhaltens.

 

Diejenigen, die weniger reden – und hier verlasse ich mich jetzt vor allem auf Erfahrungen, Einschätzungen und Gespräche mit Menschen, die eher extrovertiert sind, da ich wohl eher zu den Vielrednern gehöre… - tun dies grundsätzlich mit mehr Bedacht als die extrovertierten Vielredner.


Sie beschränken sich auf das Wesentliche,  neigen manchmal  aber auch zu Unsicherheit in Gesprächen.
Die Unsicherheit beim Reden bringt allerdings mit sich, dass Menschen von Grund auf achtsamer mit ihren Worten umgehen.

 


Wenn Du darüber nachdenkst, ist es einleuchtend: Wir sind automatisch da achtsamer, wo wir unsicherer sind. Denn hier gilt es, das Geschehen und die Wirkung unserer Handlungen stetig abzuchecken.

 

Im Gegenzug dazu ist das zu Hause wohl ein derart sicherer Ort, dass wir uns fallen lassen können. 

 

 

 

Bedürfnis nach Anerkennung, Zugehörigkeit und Beteiligung

 

Oft reden wir des Austausches wegen, um Sachverhalte oder Termine zu klären.

 

Meine Dozentin für Psychiatrie hat einmal gesagt, dass das Reden ein Realitätsabgleich darstelle.
Dem mag ich absolut zustimmen.

Trotzdem sehe ich da auch andere Dimensionen. Manche von uns reden, um sich verbunden zu fühlen um Anerkennung zu bekommen, oder auch Zustimmung.

 

Es gibt Personen, die grundsätzlich eine Veranlagung dazu haben, sich Bedürfnisse über das (miteinander) Reden zu erfüllen, denen Bestätigung und Zugehörigkeit wichtig sind.

 

Andere legen da weniger Wert drauf. Trotzdem ist das immer auch situativ. In mancher Gesellschaft sind wir uns unseres Status sicher, wir brauchen nichts mehr zu „beweisen“, in anderer Gesellschaft sind wir vielleicht neu und wollen zeigen, was uns ausmacht und was für Kompetenzen wir mitbringen.

 

 

Es gibt Gespräche, in denen wir sehr authentisch sind und welche, in denen wir in eine Rolle schlüpfen.

 

Es gibt so unfassbar viele Situationen und so unfassbar viele Möglichkeiten zu Reden…

Starke Gefühle

 

Am allerschwierigsten ist achtsames Reden, wenn starke Gefühle im Spiel sind.

 

Wenn wir streiten oder überschwänglich sind, dann vergessen wir uns schon mal. Dann sagen wir verletztende Dinge und bereuen es später vielleicht.

 

Solange ein starkes Gefühl da ist, zum Beispiel ein Gefühl der Ungerechtigkeit oder des nicht-Dazugehörens, nicht verstanden zu werden oder übergangen zu werden, so lange dieses Gefühl also in uns rumort, denken wir vielleicht, es sei okay, sich zu wehren und auch gemeine Sachen zu sagen.

 

 

Wenn aber die Situation vorbei ist und unsere starken Gefühle mit ihr verschwunden sind, können wir erst die gesamte Situation begreifen – und damit auch die Beweggründe des anderen.

 

Dann sehen wir vielleicht ein, dass wir selber unfair und gemein re-agiert haben. 

Stigmatisierung

 

Ein weiterer wichtiger Punkt, der mir noch zum Thema achtsames Reden einfällt, ist die verschleierte Stigmatisierung von Menschen.

 

Das ist ein unheimlich großes Thema, deswegen möchte ich versuchen, es zu beschreiben, ohne zu tief einzutauchen.

 

Es geht um Kategorisierung von Menschen, um völlig veraltete „Redens(ab)arten“, die unreflektiert genutzt werden und bei denen wahrscheinlich den meisten Menschen gar nicht klar ist, was für eine Bedeutung sie in sich tragen.

 

 

Es geht hier um Stigmatisierung von Menschen mit Behinderungen, Menschen mit psychischen Erkrankungen, Menschen anderer Kulturen, mit anderen Göttern und anderen Riten, um Frauen, um Männer und auch um gleichgeschlechtlich Liebende.

 

Es ist wichtig, dass wir uns darüber klar werden, dass wir oftmals über das Unbekannte die Nase rümpfen. Dies ist eine Schutzmaßnahme, die vielleicht erstmal ganz natürlich ist. Der Mensch hat immerhin über tausende von Jahren gelernt, Unbekanntem zu seiner eigenen Sicherheit erstmal zu misstrauen. 

Aber in unserer Gesellschaft ist es nicht mehr nötig, Neues und Unbekanntes abzuwehren und abzuwerten.  

Wenn Menschen unter einer Krankheit leiden, dann wollen sie nicht gemieden werden. Es ist den meisten sogar lieber, wenn offen darüber geredet werden kann. Hintergründiges Getuschel schafft auch wirklich keine Wohlfühlatmosphäre, oder?

 

Auch völlig veraltete Kategorien gehören abgeschafft. Die Rollen von Männern und Frauen beispielsweise haben sich in den westlichen Gesellschaften völlig geändert. 

Ist es wirklich noch lustig, Witze über Frauen zu machen, die eine nicht mehr vorhandene (Männer-) Herrschaft gefestigt haben? Oder kommt es eher dem Versuch nahe, an Privilegien festzuhalten, die Mann hätte haben können, wäre Mann zu einer vergangenen Zeit geboren?

 

Sprüche wie etwa "Das ist behindert.", "Du Opfer" oder "Du Schwuchtel" entbehren jeglichen Respekt. Trotzdem ist das vielen Menschen nicht klar und ich kenne selbst einige, denen die tatsächliche Bedeutung, die dahinter steht nicht zur Genüge bewusst war, sodass sie diese Redens-ab-arten benutzten, obwohl sie eigentlich nie hinter dem gestanden hätten, was sie in Wirklichkeit aussagen.


Unsere Gesellschaft ist zu weit entwickelt, um weiterhin so beleidigend und rüde mit Worten umzugehen. 

Oder nicht?

 

 

Findest Du nicht auch, dass es an der Zeit ist, Deine Redensarten auch mal zu hinterfragen?

Es ist gut, wenn wir lernen, Achtsam für unsere Worte zu sein.

 

Also achte doch mal darauf, was hinter Deinen Worten steht.

 

Ist da ein Gefühl, das Dich antreibt?

 

Oder ist da ein Bedürfnis, das Du durch Dein Reden stillen möchtest?

 

Hast Du den Eindruck, Du bist in einer Situation, in der Du Dich erklären musst oder in der Du Dein Können unter Beweis stellen musst?

 

Möchtest Du plaudern, um ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen zu lassen? Oder um eine Situation aufzulockern?

 

Was sind Deine Beweggründe für Deine Worte?

 

Und was löst ein Gespräch im Nachgang bei Dir aus?

 

Nimm Dir ruhig mal Zeit um nach Gesprächen - seien sie nun privat oder dienstlich, persönlich oder per Handy – in Dich hineinzuspüren.

 

Wie hat sich das Gespräch angefühlt?

 

Haben bestimmte Worte etwas in Dir ausgelöst?

 

Geht es Dir gut oder hast Du vielleicht einen kleinen Knoten im Bauch?

 

Wenn es so sein sollte, dass Du einen Knoten oder ein anderes unangenehmes Gefühl hast, dann trau Dich ruhig, Dich damit zu beschäftigen. Indem Du genau dahinspürst und vielleicht sogar herausbekommst, wieso es Dir jetzt so geht, kannst Du Dich und Deine Bedürfnisse zunehmend besser verstehen und so lernen, und somit immer besser für Dich sorgen.

 

Vielleicht erkennst Du das nächste Mal eine solche Situation schon früher und kannst dementsprechend reagieren.

 

 

Ich habe in den letzten Jahren gelernt, Dinge, die ich als ungerecht empfinde, ganz ruhig anzusprechen. Auch wenn ich beruflich telefoniere und mich jemand unter Druck setzen möchte, dann kann ich das ansprechen – und dadurch oft auch auflösen.
So oft sind wir uns unsicher, ob wir etwas ansprechen dürfen. Ich finde, wenn etwas Wirkung hat, dann darf es auch verbalisiert werden.


Und sowieso, alles was nicht ausgesprochen wird, wird ausgehandelt.
Denk mal darüber nach. (=

 

Viel Spaß beim Reden, Reflektieren, achtsam Sein und Analysieren wünsche ich Dir!

Achte auf Dich!

 

Deine Kati

 

P.S. Hier kommst Du zu den anderen Achtsamkeitsexperimenten.

Und hier findest Du meinen überarbeiteten Artikel zu Selbstfürsorge.

 


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