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Selbstfreundschaft Teil 1 - Dein Anfang


Selbstfreundschaft

Teil 1 - Dein Anfang


Die Freundschaft mit Dir sollte Deine wichtigste Freundschaft sein.

 

Zum Thema Selbstfreundschaft gab es in meinem Leben eine Schlüsselsituation, die ich wohl nie vergessen werde:

Ich war Mitte zwanzig. Mein Leben war gerade undurchsichtig für mich. Ich stand vor einem Scheideweg und wusste nicht, welche Richtung ich wählen sollte. Ich war verunsichert, hatte Ängste. Kurz gesagt: Ich brauchte eine Freundin.

Nur waren meine Freundinnen, mit denen ich oft quatschte selber so sehr mit ihrem Leben beschäftigt, dass ich ziemlich alleine mit meinem Problem da stand.

Ich weiß noch genau, wie ich darüber nachgedacht habe, was ich immer alles für andere leistete.

Ich dachte „Jeder sollte eine Freundin wie mich haben.“

Auf jeden Fall habe ich mir jemanden wie mich an meiner Seite gewünscht. 

 

Ich habe es nicht sofort bemerkt. Im Laufe des Tages ist eine Stimme in mir gewachsen: Ich habe mich doch immer an meiner Seite. Ich meine, ich bin doch ich. 

Anderen bin ich eine so gute Freundin, warum sollte ich nicht auch gut für mich selbst da sein können, mich selbst bestärken können und Mitgefühl für mich aufbringen? Eben das war doch schon immer meine Stärke.

Diese Gedanken waren damals nicht so eindeutig, wie ich es jetzt schreibe, aber im Endeffekt bedeuteten sie genau das:

 

Wieso war ich mir selbst nicht eine genauso gute Freundin, wie ich es für andere war?

 

 

Bist Du zu Dir selbst so gut, wie Du es zu Deinen Freunden bist?

 

Wie Du wahrscheinlich weißt, gehe ich viel mit Menschen um. Ich studiere sie - und mich - seit langem. Ich bin vertraut mit Verhaltensweisen, Denkmustern und Ängsten und ich bin mir sehr sicher, dass ein großer Teil von uns Menschen mit sich selbst sehr schlecht umgeht.

 

Wir drängen und triezen uns, wir machen uns runter, sind unnachsichtig und unnachgiebig mit uns. Wir haben Glaubenssätze über uns, die niederschmetternd sind.

Irgendwie haben wir nicht gelernt, wie wir guten Umgang mit uns selbst pflegen. 

 

Kennst Du Sätze wie

 

  • Es war ja klar, dass ich das nicht schaffe!
  • Boah, bin ich blöd!
  • Natürlich hat mich keiner wahrgenommen, ist ja immer so.
  • Klar, dass ich es wieder versauen musste!
  • Ich mache das lieber nicht, ich könnte scheitern.
  • Für mich alleine koche ich nicht, das ist es nicht wert.
  • Ich traue mich nicht, alleine etwas zu unternehmen, dann sehen mich bestimmt alle an.
  • Ich habe zwar diese coolen Klamotten, aber ich traue mich nicht sie zu tragen. Dann falle ich viel zu sehr auf.
  • Ich sehe das zwar anders, aber das behalte ich lieber für mich. Was denken die anderen sonst?
  • Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden.
  • Ich bin hässlich.
  • Ich bin dick.
  • Ich schaffe das nie.
  • Hoffentlich achtet keiner auf mich.

 

 

Es gibt noch viele mehr und es passiert unfassbar schnell, dass wir uns runtermachen. Tatsächlich ist es so, dass wir, wenn jemand anderes so mit uns umgehen würde, wie wir selber es tun, nicht mehr mit ihm reden würden. Vielleicht würden wir sogar wegen Nötigung oder übler Nachrede eine Anzeige bei der Polizei aufgeben.

 

 

Wir haben keinen Respekt vor uns selbst – uns fehlt Selbstachtung.

 

Ich habe davon gelesen, dass der Dalai Lama im Gespräch mit westlichen Wissenschaftlern zum Thema Selbsthass gefragt wurde, was der Buddhismus für Lösungswege kennt.

 

Der Dalai Lama war völlig verwirrt über diese Frage. Ihm musste das Problem vieler westlicher Menschen erläutert werden. Er kannte Selbsthass mit all seinen Folgen nicht. Und er war erschüttert, dass es in unserer Welt so viele Menschen mit diesem Problem gibt.

 

Selbsthass und Selbsterniedrigung scheinen vor allem Probleme unserer westlichen Leistungsgesellschaften zu sein.

Das kann ich mir gut vorstellen. Oft beginnt der Leistungsdruck bei uns schon Im Kindesalter. Eigentlich sollte das eine Zeit sein, in der das Kind lernt, dass es geliebt wird - ohne Vorbehalt und ohne jedwede Bedingung.

 

Durch diese bedingungslose Liebe, durch das Umsorgtsein und die Sicherheit, die dem Kind von seiner Umwelt geboten werden, entwickelt sich das sogenannte Urvertrauen.

Urvertrauen bietet uns eine Basis, sozusagen unser psychisches Fundament. Wir lernen dadurch, dass wir gut aufgehoben sind. Hieraus kann sich ein starkes Selbst-wert-gefühl entwickeln und ein Gefühl der Selbst-wirksamkeit.

 

Letzteres steht dafür, dass wir wissen, dass wir mit unserem Handeln etwas bewirken können. Mit einem Lächeln kann ich bewirken, dass meine Mutter sich freut und mich zurück anlächelt, mich vielleicht auch wiegt und an sich drückt. Auch im Erwachsenenalter ist das Gefühl der Selbstwirksamkeit wichtig.

 

Viele Menschen, die den Eindruck haben, nichts bewirken zu können, empfinden sich als Opfer der Gegebenheiten. Ein Gefühl der Hilflosigkeit geht damit einher und endet oft in Passivität. Selbstwirksamkeit ist also sehr wichtig für Menschen, um ein aktives und vor allem selbstbestimmtes Leben zu führen.

 

 

 

Du kannst das lernen

 

Das Tolle ist, dass wir Menschen unser Leben lang lernen können! Wir können sogar umlernen, indem wir Gelerntes sozusagen „überschreiben“. Das nennt sich Neuroplastizität und ich muss gestehen, ich bin begeistert davon.

Da wo früher noch galt: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmer mehr“, müsste es heute heißen:

 

„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans umso mehr!“

 

Als Erwachsene können wir steuern, was wir lernen wollen. Wir müssen uns nur trauen.

Und ja, auch unsere Psyche betreffend können wir lernen. Wir können lernen, uns selbst ein Freund zu werden.

Das bedeutet für mich auch, zu lernen

 

  • Mitfühlend mit mir selbst umzugehen
  • Nachsicht mit mir zu üben
  • Achtsam mit mir zu sein
  • Meinen Gedanken zu lauschen
  • Zu erkennen, welchen Gedanken ich nachgehen will und welchen nicht
  • Mir Gutes zu tun
  • Meine Bedürfnisse ernst zu nehmen
  • Dass ich mich nicht für meine Gefühle schämen muss
  • Zu meiner Verletzlichkeit zu stehen
  • Zu mir zu stehen, so wie ich bin
  • Akzeptanz zu entfalten
  • Selbstachtung zu üben
  • Mir auch selbst zu vergeben

 

Letzten Endes bedeutet das alles für mich, zu lernen, das eigene Leben zu lieben – mich selbst zu lieben.

Und es bedeutet Heilung. Erst im Laufe meines eigenen Heilungsprozesses ist mir selbst klar geworden, was ich mir durch meinem Umgang mit mir selbst eigentlich alles angetan habe und welche Narben ich davongetragen hatte. Diese Einsicht ist nicht unbedingt leicht. Aber indem wir auch hier Nachsicht uns Selbstmitgefühl walten lassen, kann ein Heilungsprozess eintreten und wir lernen immer mehr, selbstsorgsam mit uns umzugehen.  

 

 

 

Vor lilafarbenen Wolken steht "Sich selbst zu lieben ist der Beginn einer lebenslangen Romanze!" von Oscar Wilde

 

 

 

 

Du bist Dein ständiger Begleiter.

 

Wie Du mit Dir umgehst, hat immer auch Auswirkung auf Deine Stimmung - und am Ende auch auf Deine Haltung Deinem eigenem Leben gegenüber.

 

Du kannst Dein Leben aktiv gestalten und lernen, für Dich zu sorgen. Hier gehört eine Menge dazu und es wird auch nicht von heute auf morgen geschehen. Vielleicht brauchst Du Hilfe von Deinen Mitmenschen, vielleicht auch professionelle Hilfe von einem Berater oder einem Therapeuten. Das ist okay.

 

Sich selbst ein Freund zu werden schließt die anderen nicht aus. Wir Menschen sind sozial veranlagt und wir brauchen hin und wieder Unterstützung von anderen.

Oder einfach nur Menschen, um mit ihnen zusammen zu genießen.

 

Aber sich selbst ein Freund zu werden, das eigene Leben ein bisschen mehr in die Hand zu nehmen und zu lernen, gut für sich zu sorgen, schafft sehr viel Lebensqualität.

 

Und die sollte sich jeder schenken!

 

 

 

 

Wie geht es hier weiter?
Jeden 1. Freitag im Monat werde ich einen weiteren Artikel zum Thema veröffentlichen, der Dich auf Deinem Weg zur Selbstfreundschaft unterstützen kann. Die Artikel sind mit Sicherheit interessant, wenn Du neu dabei bist, aber auch, wenn Du Dich schon viel mit Deiner Entwicklung beschäftigst. 

Es werden genauso Methoden vorgestellt, als auch die eine oder andere Theorie, Erfahrungen oder auch einfach Gedankengänge.
Themen werden zum Beispiel sein

  • Sich mit den Augen des Freundes sehen
  • Wie wir unsere Gedanken wahrnehmen und verändern können
  • Selbstmitgefühl und Nachsicht
  • Vergeben können
  • Sehnsucht nach Anerkennung
  • Leistungsdruck
  • Reslilienz
  • Umgang mit Niederlagen 
  • Ängste
  • und vieles mehr. 

 

Wenn Du Fragen oder Anregungen hast, kannst Du mir jederzeit eine Nachricht schreiben. Über das Formular für Kommentare oder eine Mail an kati@fair-achtung.de. Ich freue mich über jede Nachricht!

 

Sei dabei und achte auf Dich!

 

Alles Gute für Dich!

 

Deine Kati

 

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